15.6.16

Boys too



"How to lose 10 pounds in 2 weeks!" - "Straffere und strahlendere Haut in nur 10 Tagen!" ... 
In all den Medien liest man, wie Frauen jedes Alters, unter dem Druck der Gesellschaft leiden aufgrund dieser komischen Schönheitsideale. Schlimm genug, doch betrifft das nur Frauen/junge Mädchen? Natürlich nicht!
Viele Männer leiden auch unter den gesellschaftlichen Anforderungen unserer Zeit - doch sie zeigen es bloß nicht, denn die Gesellschaft fordert einen Mann, der keine Schwäche zugibt (ironisch, denn zeigt man(n) Schwäche, wird man(n) als Mädchen verurteilt. Bloß ist das überhaupt eine Beleidigung? - nein! Nur eines ist es: sexistisch).
Ich möchte damit auf keinen Fall das Leiden vieler Frauen herunterspielen, sondern nur zeigen, wie sich die Medien zum Beispiel, auch auf mein eigenes Leben ausgewirkt haben/auswirken.

Jeden Tag sehe ich Bilder, Artikel und Videos von Männern mit sonnengebräunter Haut, grünen Augen, perlweißen Zähnen und einem wunderbaren, lässigen Style. Doch ist das alles realitätstreu?
Ich habe keinen perfekten Körper, keine reine Haut und auf keinen Fall immer das perfekte Outfit an, denn "ich bin ja auch nur ein Mensch!" - denke ich mir jedenfalls, um den Druck wenigstens für ein paar Minuten zu verdrängen.
Jedoch haben diese Instagram-,Vogue- und allgemein: Sozialmedia-Models (so nenne ich sie mal) einen großen Einfluss auf mich.
Ich kann mich zum Beispiel nicht mehr erinnern, wann ich mich das letzte Mal so wirklich schön fand und mit mir selber zufrieden war, denn ich habe nun mal keinen super athletischen Körper, noch samtweiche schwarze Haare und ein Gesicht, wie aus Marmor gemeißelt.
Was kann ich also an mir selber verändern?
Nach unzähligen, fehlgeschlagenen Diäten, und hunderten von Euro, die ich für unnütze und unnötige Schönheitsprodukte ausgegeben hatte (von der Beauty-Creme bis hin zur "Detox"-Kur), beschloss ich einen radikalen Strich zu ziehen. Dieser Neuanfang bestand ironischerweise aus einer Bulimie-Krankheit, die ich mehrere Jahre mit mir herumtrug und nur ganz spät erst meinen engsten Freunden und Verwandten gestand.
Nach ein paar Monaten zeigten sich die ersten Auswirkungen des ständigen Erbrechens: Konzentrationsschwächen, Kopfschmerzen, Haarausfall, Gliederschmerzen etc. - "emotional Breakdown".
Doch eine Lösung war das nicht für mich. Dann begannen Zeiten, in denen ich täglich Sport und eine strikte Diät machte.
Nachdem es aber länger dauert, bis sich Fortschritte sichtbar machen, in Form von Muskelaufbau etc. (und ich ein sehr ungeduldiger Mensch bin), wurde ich noch unzufriedener mit mir und griff wieder zu der allbekannten "Gehdochkotzen-Methode". (Welche ich seit 2 Jahren nicht mehr anwende!)
Andererseits fühlte ich mich auch nie schön genug für einen potentiellen Partner und griff deshalb gerne Mal zu dem einen oder anderen, den ich jetzt im Nachhinein sehr bereue. Kaum treffe ich jemanden, den ich ganz, ganz toll finde und er mich vielleicht sogar auch, vermassle ich es. Ich kann mir einfach nicht eingestehen, dass so ein toller und schöner Mensch mich attraktiv finden soll! Ich meine, es gibt tausend andere auf der Welt und ich soll es sein? Da ist doch irgendwas falsch!
Hoffnungsloser Fall, oder?

Doch wird aber immer dazu aufgerufen, dass man sich lieben und schätzen soll. Gleichzeitig wird für "die neuesten Hollywood-Diäten" etc. geworben. Die Menschen sollte sich mal einigen, was sie jetzt wollen.
Andererseits frage ich mich: Ist Selbstliebe etwas, was seit langer Zeit "passé" ist und jetzt die eigenen Komplexe "en vogue" sind? - Schwer zu glauben und auch nicht glaubhaft. Doch gibt es ein Wunderheilmittel gegen all die Problemzonen und gestörten Wahrnehmungen?
Ich habe leider selber noch keines gefunden (sonst wäre ich jetzt bestimmt Millionär und außerdem braucht die Welt bestimmt nicht noch weitere "Verlieren sie all ihre Probleme"-Pillen).

Doch was mir für einen kurzen Zeitraum wenigstens, wieder Kraft gibt ist Reden, Meditieren und Sport (manchmal auch eine Pizza natürlich). Es ist wichtig zu verstehen, dass man nur diesen einen Körper jemals besitzen wird und sollte deshalb nicht zwingend mit ihm auf Kriegsfuß stehen.
Auch die ganzen Models sind doch auch nur Menschen, die gephotoshopped sind und deren Job daraus besteht, sich um ihr Äußeres zu kümmern.
Wesentlich ist es jedoch, mindestens eine Bezugsperson zu haben, mit der man immer reden kann, falls man gerade nicht ganz im Reinen mit sich selber ist.
Trotz allem darf man nie vergessen, dass ein Problem - wie groß oder klein es auch sein mag - immer ein ernstzunehmendes Problem ist. Die eigenen Defizite herunterzuspielen, da sie einem nicht ganz so schlimm vorkommen ist giftig, denn somit findet eine konstante Verdrängung der eigenen Ängste und Probleme statt. Anstatt sie zu verharmlosen, sollte man offen darüber reden und versuchen, die Wurzeln zu erkennen - warum man zum Beispiel so fühlt - und gewisse Lösungsansätze für das jeweilige Problem zu finden. Nur so kann es auf lange Sicht zu einem besseren Selbstbild kommen.
Denn dein Körper will dir nichts schlechtes. Er versucht immer nach deinem Wohl zu handeln und gibt dir Signale, wenn er nicht mehr kann. Achte darauf und höre immer auf ihn, denn er weiß, was du brauchst. - Und mag es eben eine Pizza sein!